„Lohnt sich das überhaupt ohne Süddach?” – diese Frage hören Solarteure fast täglich. Die kurze Antwort: Ja, in den allermeisten Fällen. Das Ost-West-Dach hat einen schlechten Ruf, der längst überholt ist. Wer richtig plant, holt daraus eine Anlage, die oft genauso wirtschaftlich ist wie auf dem klassischen Süddach.
Der Ertrag: weniger, aber nicht viel weniger
Natürlich liefert ein nach Süden ausgerichtetes Dach den höchsten Jahresertrag. Eine Ost-West-Anlage kommt bei einer Dachneigung von 30° auf etwa 80 bis 85 Prozent dieses Ertrags. Bei flacheren Dächern mit 10 bis 15° Neigung sind es sogar 85 bis 90 Prozent, weil die Module dann näher an der idealen Ausrichtung liegen.
Der Unterschied ist also deutlich kleiner, als viele denken – und er wird durch die folgenden Vorteile mehr als ausgeglichen.
Der entscheidende Vorteil: Eigenverbrauch
Ein Ost-West-Dach produziert Strom morgens und abends statt nur in der Mittagsspitze. Genau dann verbrauchen die meisten Haushalte am meisten: Kaffeemaschine, Homeoffice, Kochen, Waschmaschine.
Das hebt die Eigenverbrauchsquote spürbar: von rund 30 Prozent bei einer Südanlage auf 50 bis 60 Prozent bei Ost-West – ganz ohne Speicher. Mit Batteriespeicher sind 70 bis 80 Prozent möglich. Da selbst genutzter Strom ein Vielfaches der Einspeisevergütung wert ist, gleicht der höhere Eigenverbrauch den etwas geringeren Gesamtertrag in der Wirtschaftlichkeit nahezu vollständig aus.
Mehr Module aufs Dach
Ein weiterer Pluspunkt: Auf einem Ost-West-Satteldach lassen sich beide Dachseiten voll belegen. So passen häufig 40 bis 50 Prozent mehr Module aufs Dach als bei einer reinen Süd-Belegung – mehr installierte Leistung gleicht einen Teil des geringeren spezifischen Ertrags wieder aus.
Wann Sie genauer hinschauen sollten
Zwei Punkte entscheiden über Erfolg oder Enttäuschung:
- Verschattung: Schon kleine Schatten kosten überproportional Ertrag. Bäume, Nachbargebäude oder Aufbauten müssen realistisch berücksichtigt werden.
- Verschaltung: Ost- und West-Module gehören sauber in getrennte Strings oder an passende Eingänge, damit sich die unterschiedlichen Tagesverläufe nicht gegenseitig ausbremsen.
So planen Sie ein Ost-West-Dach richtig
Beide Punkte lassen sich nur mit exakten Dachdaten sauber lösen. Ein maßhaltiges 3D-Modell aus Drohnenaufnahmen bildet Ausrichtung, Neigung und Höhe aller Aufbauten korrekt ab. Darauf simulieren Sie die Verschattung über den Tages- und Jahresverlauf und planen die Belegung beider Dachseiten punktgenau – die Basis für eine verlässliche Ertragsprognose. Wie das aussieht, zeigt unser Beitrag PV-Planung am 3D-Modell.
Fazit
Das Ost-West-Dach ist kein Kompromiss, sondern oft die clevere Wahl: gleichmäßiger Ertrag, hoher Eigenverbrauch und mehr Modulfläche. Entscheidend ist eine präzise Planung – und die beginnt mit einem exakten Aufmaß.
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